Was ist Paraphrasieren und wie lerne ich es für die Masterarbeit?

Warum Paraphrasieren die eigentliche Kunst beim wissenschaftlichen Schreiben ist. Und warum du es längst kannst.

Stell dir vor, du sitzt mit Friends beim Kaffee. Sie fragen: "Was hat denn die Professorin in der Vorlesung gesagt?" Und du erzählst es. Mit deinen Worten. Du gibst die Essenz wieder, ohne den exakten Wortlaut zu verwenden.

Genau das ist Paraphrasieren.

Im Grunde machst du das schon dein ganzes Leben lang. Immer wenn du jemandem erzählst, was eine andere Person gesagt, geschrieben oder gemeint hat... paraphrasierst du. Klatsch und Tratsch auf hohem Niveau, sozusagen 😄

Der einzige Unterschied in deiner Masterarbeit: Du machst es wissenschaftlich fundiert. Und du gibst die Quelle an.

Warum Paraphrasieren so wichtig ist

Viele Studierende glauben, dass das Schwierigste am wissenschaftlichen Schreiben das direkte Zitieren ist. All die Regeln, Anführungszeichen, Seitenzahlen... (dazu hab ich übrigens einen eigenen Artikel geschrieben: "Keine Angst vor dem Zitieren!").

Aber in Wirklichkeit ist das Paraphrasieren die viel wichtigere Technik. Denn:

  • Es ist die Standardform in wissenschaftlichen Arbeiten. Direkte Zitate sind die Ausnahme, nicht die Regel.

  • Es zeigt Verständnis. Nur wer einen Gedanken wirklich verstanden hat, kann ihn mit eigenen Worten wiedergeben.

  • Dein Text klingt besser. Wenn du nicht ständig zwischen verschiedenen Schreibstilen (durch direkte Zitate) hin- und herspringst, hat deine Arbeit einen einheitlichen Ton. Deine Stimme.

  • Es schützt vor Plagiat. Korrektes Paraphrasieren mit Quellenangabe ist der sicherste Weg, um sauber zu arbeiten.

Was Paraphrasieren NICHT ist

Bevor wir weitermachen, ein wichtiger Punkt. Paraphrasieren heißt nicht:

  • Ein paar Wörter durch Synonyme ersetzen und den Satz sonst gleich lassen. Das nennt man "Patchwork-Paraphrase". Und ja, das kann als Plagiat gewertet werden.

  • Einen Satz von Aktiv in Passiv umbauen und sonst nichts ändern.

  • Die Wörter umstellen, aber den Satzaufbau behalten.

Paraphrasieren ist eine echte Neuformulierung. Du nimmst den Gedanken, verstehst ihn, legst den Originaltext zur Seite... und schreibst ihn neu. In deinen Worten. In deiner Logik. In deinem Satzaufbau.

Wie du Paraphrasieren lernst

Die gute Nachricht: Es gibt ganz konkrete Schritte, die dir helfen.

1. Lies den Originaltext. Dann leg ihn weg.

Das ist der wichtigste Schritt. Lies den Absatz, den du paraphrasieren willst. Schließ das Buch. Und dann schreib auf, was du verstanden hast. Ohne zu spicken. Wenn du das schaffst, hast du paraphrasiert.

2. Verändere die Satzstruktur.

Wenn im Original steht: "Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend", dann dreh den Satz um. Zum Beispiel: "Grundlegende Veränderungen in der Arbeitswelt sind auf die Digitalisierung zurückzuführen." Anderer Aufbau, gleiche Aussage.

3. Wechsle die Perspektive.

Manchmal hilft es, einen aktiven Satz ins Passiv zu setzen oder umgekehrt. Oder von der konkreten Ebene auf die abstrakte zu wechseln.

4. Verknüpfe mit deiner Argumentation.

Die beste Paraphrase ist eine, die nicht für sich alleine steht, sondern in deinen Gedankengang eingebettet ist. Zum Beispiel: "Wie Müller (2020) zeigt, lassen sich diese Veränderungen auf drei Faktoren zurückführen, wobei für die vorliegende Arbeit vor allem der dritte Faktor relevant ist."

Da bist du dann nicht mehr beim Nacherzählen. Da bist du beim Denken.

Die häufigsten Fehler

Damit du sie vermeiden kannst:

  • Zu nah am Original bleiben. Wenn sich dein Satz wie eine leicht abgewandelte Kopie liest, reicht das nicht.

  • Den Sinn verändern. Die Paraphrase muss die Bedeutung des Originals korrekt wiedergeben. Nicht übertreiben, nicht abschwächen, nicht umdeuten.

  • Die Quellenangabe vergessen. Und das ist wirklich der häufigste Fehler. Nur weil du nicht wörtlich zitierst, heißt das nicht, dass du keine Quelle angeben musst. Jeder Gedanke, der nicht von dir selbst stammt, braucht eine Quellenangabe. Punkt.

Satzanfänge, die dir helfen

Damit du nicht immer "Laut Müller..." schreibst (das wird schnell langweilig), hier ein paar Alternativen:

  • "Haas (2020) argumentiert, dass..."

  • "Wie Haas darlegt, ..."

  • "Haas zufolge ..."

  • "In ihrer Studie zeigt Haas, dass..."

  • "Bereits 2020 wies Haas darauf hin, dass..."

  • "Im Gegensatz zu Smith betont Haas, dass..."

Variation ist hier das Zauberwort. Eine Arbeit, die jeden Absatz mit "Laut..." beginnt, liest sich eintönig. Wechsle ab. Probiere verschiedene Formulierungen. Dein Text wird dadurch lebendiger.

Mein Tipp aus dem Schreibprozess

Wenn du deinen Rohtext schreibst: Lass das Paraphrasieren erstmal unperfekt sein. Schreib einfach drauflos. Wenn dir die perfekte Neuformulierung nicht sofort einfällt, schreib den Gedanken halt erstmal so hin, wie er dir kommt. Markiere die Stelle. Und beim Überarbeiten machst du aus der Rohfassung eine saubere Paraphrase.

Das Schreiben und das Perfektionieren sind zwei verschiedene Phasen. Wenn du beides gleichzeitig versuchst, blockierst du dich.

Zusammenfassung

Paraphrasieren ist keine Hexerei. Es ist Klatsch und Tratsch auf hohem Niveau. Du kannst das.

  • Paraphrasieren = Gedanken anderer mit eigenen Worten wiedergeben

  • Es ist die Standardform im wissenschaftlichen Schreiben

  • Lege den Originaltext zur Seite, bevor du schreibst

  • Verändere Satzstruktur, Perspektive und Formulierung

  • Vergiss die Quellenangabe nicht, auch bei Paraphrasen!

  • Variiere deine Satzanfänge

  • Im Rohtext: erstmal schreiben, dann perfektionieren

Und wenn du wissen willst, wie das mit dem Zitieren generell funktioniert, also direkt vs. indirekt, Harvard vs. Fußnoten und die große "vgl."-Frage, dann schau in meinen Artikel: "Keine Angst vor dem Zitieren!"

Trotzdem lost?

Wenn du dir wünschst, beim Schreiben deiner Master- oder Diplomarbeit nicht allein zu sein, dann schau dir mein GuiDance Programm an. Dort arbeiten wir gemeinsam an Struktur, Schreibpraxis und realistischen Plänen.

Für einen sanften Einstieg gibt es die Friday Writedays, kostenlos und offen für Studierende in allen Phasen. Und wenn du dir Zeit, Fokus und Tiefe wünschst, sind meine Schreibwerkstätten ein Raum, in dem Schreiben wieder möglich wird.

Weiter
Weiter

Keine Angst vor dem Zitieren!